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Ernsthaftes Kräftemessen in Stia 2005

Italien, Frankreich, Österreich, Israel, Luxemburg und Deutschland stellen die Besten

Die zum zweiten Mal ausgerichtete Weltmeisterschaft der Schmiede in Stia stand dieses Jahr im Zeichen sakraler Arbeiten. Die Organisatoren waren mit der Themenwahl auf Ernsthaftigkeit bedacht, und die geschmiedeten Arbeiten wurden der Absicht größtenteils gerecht. In vier Kategorien wurden die Besten gekürt.

Thomas Bruland-Jordan berichtet aus Stia

Das kleine, beschauliche italienische Städtchen Stia im Casentino in der Toscana ist seit jeher weit über seine Grenzen hinaus bekannt für seine Wolle. Zu früheren Zeiten war auch die Eisenverarbeitung von internationalem Ruf. Mit der Europäischen Biennale der Schmiedekunst und der Weltmeisterschaft hat sich Stia indes wieder in den Fokus der aktuellen Schmiedekunst gerückt. Zum zweiten Mal nach 2003 trafen sich vom 1. bis 4. September Freunde des geschmiedeten Eisens, um bei der „World Forging Championship 2005“ Erfahrungen und Neuigkeiten auszutauschen, aber auch, um sich in ihrem Fach zu messen. 94 Teilnehmer aus zwölf Ländern traten an und kündeten mit Hämmern und Klopfen rund um den Marktplatz von Stia von ihrem Wettstreit.

Wie schon 2003 fanden sich die Hephaistos-Jünger auf dem hergerichteten Marktplatz, der Piazza Mazzini, an zehn Essen ein, um unter den Augen vieler Fachbesucher, Schaulustiger und Touristen in einer zweitägigen Ausscheidung ihre Zeichnungen und Arbeiten zum Thema sakrale Schmiedekunst im Land der Päpste und Kirchen zu entwickeln, vorzustellen und sich in einem Wettbewerb einer fachkundiger Jury zu stellen. Über die Arbeiten urteilten in diesem Jahr Sebastien Sicot aus Frankreich, Angelo Bartolucci aus Italien, John Crawford aus den USA, Alan Evans aus Großbritannien und Martin Ziegler aus Deutschland. Sekretär der Jury war der Notar Fabio Miloni aus Arezzo, der über den regelkonformen Ablauf der Weltmeisterschaft wachte. Bewertungskriterien waren Thema und Harmonie der Arbeit‚ Fertigkeit der Metallgestalter und der Ausdruck der fertig gestellten Arbeit.

Das Reglement sah vor, dass die Zeit in Abhängigkeit des Schwierigkeitsgrades der Aufgabe zugewiesen wurde. Die Aufgabe war dann in der festgelegten Zeit fehlerfrei fertig zu stellen. Wurde die Zeitvorgabe überschritten oder fehlerhaft gearbeitet, wurden die Teilnehmer von der Endbewertung ausgeschlossen. Jeder Teilnehmer erhielt ein Stück Eisen, das in seinen Maßen und Eigenschaften für alle dieselben Ausgangsvoraussetzungen garantierte. Ein Schmiedefeuer, ein Amboss und alle nötigen Werkzeuge wurden sowohl den Teilnehmern, die als Solisten schmiedeten, als auch den angemeldeten Teams zur Verfügung gestellt. Auch eigene Werkzeuge mit Ausnahme von Schweißapparaten durften verwendet werden. Zugelassen war außerdem ein Helfer.

Die Teams durften aus mindestens zwei und maximal vier Metallgestaltern des selben Landes bestehen. Die Jury ermittelte sowohl den besten Metallgestalter als auch das beste Metallgestalter-Team. Als neue Kategorie war eine Bewertung des besten Standes auf der Piazza Tanucci eingeführt worden, doch fehlten dort leider oft wichtige Exponate. Wenn auch nach dem Reglement jedem Teilnehmer beziehungsweise jeder teilnehmenden Mannschaft nur zwei Stunden aktiver Zeit an Esse und Amboss zur Verfügung standen, konnten sich die Zuschauer an einem Schmiedemarathon von acht Uhr morgens bis weit nach Mitternacht erfreuen.

Nach eingehenden Beratungen wurden folgende Teilnehmer zu Siegern gekürt: In der Kategorie „Zeichnung und Entwerfen“ siegte Simone Fersino aus Marittima (Lecce, Italien) vor seinem Landsmann Fabio Ceolin aus Mogliano Veneto, Dritter wurde Romain Schleich aus Luxemburg. Einen Sonderpreis vergab die Jury an Francesco Mandrino, Italien, und an Halevy Einat aus Israel. Für die beste Präsentation der Exponate wurden ausschließlich Italiener ausgezeichnet – F.lli Pellegrini in der Sparte „Tradition“, Jadran und Martino Stenico in der Sparte „Innovation“, ein Sonderpreis ging an Giovanni Rotondo, Fabio Ceolin, Vinicio Sartorello und Ermanno Ervas.

Der Mannschaftswettbewerb sah als Sieger das Team „Frankreich 3“, bestehend aus mit Bruno Vidal und Doumeng, Zweiter wurde „Italien 15“ mit den Brüdern Giannino und Gianfranco Brancorsini vor „Italien 21“ mit Antonio Elia und Mauro Arena.

In der Einzelwertung wurden – wenn man so will – die Könige von Stia gekrönt. Den ersten Platz eroberte Roberto Giordani aus Italien, Zweiter wurde Gebhard Bergner aus Österreich, dritter schließlich Martin Fritz aus Deutschland. Die Sieger tragen den Titel „Schmiedeweltmeister 2005“ bis zur nächsten Veranstaltung in Stia.

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